Jan 20, 2020

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Ansprachen zur Trauerfeier

Orientierungsplan

Trauerfeier zum Heimgang von Abram Poljak
28.10.1963
Niederschrift der Ansprachen von


  1. Erich Klinck
  2. Heinrich Lohmeyer
  3. John Brockis
  4. Arthur Schiemer
  5. Albert Springer
  6. Gerhard Opitz
  7. Fritz Haas



1) Erich Klinck:

Liebe Geschwister,

liebe Freunde, unser Herr, der Gott Israels, hat unserem lieben Bruder Poljak und uns die Gnade gegeben, dass ich, in Vertretung für alle am Grabe anwesenden an seinem Grabe vergangenen Donnerstag etwa folgende Worte sagen durfte:

Unser lieber Bruder Poljak - jeder, der die letzten Monate, Wochen und Tage seines Erdendaseins aus nä chster Nahe erleben durfte, wird bekennen dürfen, dass Du am Ende Deiner Tage frohen und freudigen Herzens sagen durftest mit dem Apostel Paulus, 2.Tim.4,7-8:

"Den köstlichen Ringkampf habe ich gerungen, den Lauf habe ich vollendet, den Glauben habe ich bewahrt; hinfort ist mir aufbewahrt der Siegeskranz der Gerechtigkeit, mit dem mir der Herr vergelten wird an jenem Tage, er der gerechte Richter; aber nicht nur mir, sondern allen, die seine Erscheinung liebhaben."

Für uns, die wir zurückgeblieben sind, die wir noch in diesem Ringkampf drinstehen, die wir unseren Lauf noch nicht vollendet haben, die wir noch den Glauben bewahren müssen, gilt das Wort:

"Ge­denket eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben,und den Ausgang ihres Wandels anschauend ahmet ihren Glauben nach."

Möchte der Herr uns allen dazu viel Gnade schenken. Soviel meine Worte am Grabe.

Von diesem Hintergrund und in diesem Sinne wollen wir unsere heutige Feier in Erinnerung an unseren lieben Bruder Abram Poljak begehen. Wenn ich dabei immer wieder seine Person und sein Wirken berühren muss, so soll dies immer nur im Blickfeld seines Dienstes als Gottes Werkzeug für die Ausbreitung der Botschaft vom Reich in Deutschland geschehen und nur zur Verherrlichung Gottes dienen. Eine andere Würdigung seiner Person wurde nicht im Sinne unseres vollendeten Bruders liegen. Wir sind uns sicherlich alle darüber klar, dass mit dem Heimgang unseres lieben Bruders ein Abschnitt der Verkündigung der Botschaft vom Reich in Deutschland und darüber hinaus in der ganzen Welt zu Ende gegangen ist, sind (uns klar,) dass es nicht nur fruchtbar, sondern geradezu notwendig ist, rückblickend über diesen Abschnitt Rechenschaft zu geben, um im Gedenken an unseren heimgegangenen Bruder und im Anschauen des Ausgangs seines Wandels klare Weisung zu bekommen, wie der neue Abschnitt unserer Aufgabe, dem von ihm begonnenen Werk zu dienen, unter Gottes Führung und Leitung gestaltet werden soll, nachdem wir nunmehr gewissermassen auf uns selbst gestellt sind.

Wenn wir den Weg Abram Poljaks seit seiner Berufung zu seiner besonderen Auf­gabe betrachten, erkennen wir, dass er einen gewaltigen Ringkampf gerungen hat, der um der besonderen Gnadenauswahl Gottes willen auch köstlich für ihn war. Und wie hat er gekämpft! Dabei war es viel weniger ein Kampf mit Fleisch und Blut, sondern mit den Fürstlichkeiten, mit den Obrigkeiten, mit den Weltbeherrschern dieser Finsternis, mit den Geistlichen der Bosheit inmitten der Himmlischen (Eph.6,12). Warum hat nun aber Gott gerade Deutschland dazu benutzt, dass hier auf deutschem Boden dieser Hauptkampf ausgetragen wurde? Wie ist dies begründet? Unser Bruder Poljak hat uns gelehrt: Israel und Deutschland stehen sich sehr nahe und teilen in etwa das gleiche Schicksal. Nicht nur Jerusalem, die Stadt des grossen Königs, ist geteilt, sondern auch Berlin, die ehemalige Hauptstadt Deutschlands. Die Bezeichnung des deutschen Volkes in der Karrikatur als "Deutscher Michel" erinnert an Michael, den Engelfürsten Israels. Gott bezeichnet in 2.Mose 4, 22 Sein Volk der Wahl als Seinen erstgeborenen Sohn. Und in der Völkertafel 1.Mose 10,2 erscheint an der Spitze der Japhetiten Askena als der erstgeborene Sohn Gomers, des ältesten Sohnes Japhets. Askena ist aber der Urahne des deutschen Volkes, und die Juden bezeichnen noch heute die Deutschen als Askenas. Und ihre aus Deutschland stammenden Volksgenossen mit Askenaims. So war unser lieber Bruder Abram Poljak und auch unsere liebe Schwester Agnes Waldstein ein Ashennai. Aber d ie Paral lelen gehen weiter: Das Volk der Reformation und der Dichter und Denker hat nicht nur einen Luther und andere Geistesfürsten hervorgebracht, sondern einen Hitler, als letzte Kon­ sequenz von Luthers Antisemitismus am Ende seiner Tage. Ebenso ist nicht nur Christus dem Fleische nach ein Angehöriger des jüdischen Volkes, sondern auch sein Gegenspieler, der Antichrist. Es ist ein gewaltiges Zeichen für die Führung Gottes, dass die Botschaft vom Reich gerade im Lande der Reformation und in diesem wiederum in der Hochburg des Pietismus. d.h. in Süddeutschland so nachhaltig und mit so grosser Wirkung verkündigt wurde. Auch ist es nicht von ungefähr, dass schon im Jahre 1900 der Russe Solowjew - Bruder Poljak darauf aufmerksam machte - dass dieser Russe Solowjew in einem Buche den Antichristen als Prof. der Theologie in Tübingen vorstellte. Dabei darf ich auch an Prof. Bultmann erinnern. Aber ebensowenig ist es von ungefähr, dass die JCG auch in Tübingen gedruckt wird, auf welche Parallele neulich unser Bruder Karl Butsch von der Hausgemeinde hinwies. Aber wir wollen dabei auch nicht vergessen, dass sich der Antichrist dereinst in den wiederaufgebauten Tempel in Jerusalem setzen wird, den Beweis liefernd, er sei Gott (2.Thess.2,4). Was sind alles das für merkwürdige und beachtliche Zusammenhänge! Ist es hierbei verwunderlich, oder liegt es beim Durchleuchten dieser Zusammenhänge nicht auf der Hand, dass der Schwerpunkt der Aufgabe Bruder Poljaks in Deutschland lag? In diesem Land und Volke, das sich so schwer gegen das jüdische Volk versündigte. Verwirklichte Gott hierbei nicht seinen Grundsatz aus Röm. 5,20b: "Wo die Sünde zunimmt, strömt die Gnade über".

Aber wie hat dieses Ringen Bruder Poljaks in Deutschland ausgesehen? Im Gestapo­Gefängnis angesichts des Todes von Gott berufen und am 24.April 1933 versehentlich hieraus entlassen, fühlte Bruder Poljak sich dem deutschen Volke so sehr ver­bunden, dass er trotz all der Greuel und Schandtaten, die wir Deutschen seinem jüdischen Volke angetan hatten, nach Deutschland zurückkehrte, sobald ihm dies rein äusserlich gesehen möglich war. Aber welch inneren Kampf musste er bestehen, um dem deutschen Volke nicht nur zu vergeben, sondern ihm das Beste in dieser unserer letzten Zeit zu bringen: Die Botschaft vom Reich. Und wann kehrte er nach Deutschland zurück? Sofort nach Ausgang des zweiten Weltkriegs, allerdings nur im Geiste durch das Eintreffen der JCG in Deutschland.

Darf ich hierbei kurz ein persönliches Zeugnis einflechten? Durch Gottes Gnade war ich durch eine gäubige Mutter schon in jungen Jahren auf die Bedeutung des Volkes Israel im Heilsplan Cottes aufmerksam gemacht worden und durfte erkennen, namentlich durch die Schriften von Prof. Ströter, Pfarrer Böhmerle, A.E. Knoch u.a., dass Israel nicht nur eine Vergangenheit hatte, sondern auch noch eine Zukunft hat. Mein Herz, ebenso wie das meiner lieben Frau schlug höher, als wir die erste JCG zu Gesicht bekamen. Sahen wir doch darin den Anbruch der Erfüllung des prophetischen Wortes! Und so wie uns so erging es vielen Gotteskindern in Deutschland. Der Boden für die Botschaft vom Reich war von Gott schon vorbereitet. Ich persönlich durfte vor dem persönlichen Eintreffen Bruder Poljaks in Deutschland noch einen besonderen Dienst tun, indem mir gleich nach Kriegsende von Bruder Cordes, Haiger im Siegerland der Postversand der JCG in Deutschland übertragen wurde, der sie aus der Schweiz über Basel/Lörrach in den entsprechenden Exemplaren erhielt. Wenn ich mich noch recht entsinne, war dies jedesmal mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. So ist es verständlich, dass das Echo auf das Erscheinen der JCG in Deutschland so stark war, dass Bruder Poljak am 1.Sept.1950 aus Jerusalem an Fritz Braun, Neckargemünd, der inzwischen die Sache in die Hand genommen hatte, schreibt: "Bitte verweisen Sie keine Fragensteller an mich. Ich bekomme so viel Briefe, dass ich, wie in der JCG bekanntgegeben, nur noch die wenigsten beantworten kann. Bitte sammeln Sie die Einladungen."

Am 3.Juni 1951 betrat Abram Poljak nach 18 Jahren Abwesenheit wieder deutschen Boden; und damit begann sein Hauptkampf um die Verkündigung der Botschaft vom Reich. Über die erste öffentliche Versammlung in Deutschland hat Bruder Poljak wie folgt berichtet: "11.Juli 1951.: Am 11. Juli sollte ich in dem Dorf Nordheim bei Heilbronn sprechen. Es wurden 15 Einladungskarten an die Leser der JCG im Heilbronner Kreis versandt. Ich erwartete ca. 50. Es waren nicht nur 50 Personen gekommen, sondern etwa 600. Als Pfarrer Majer-Leonhard in Stuttgart davon erfuhr, mobilisierte er die Leitung der Württ. Landeskirche und erreichte einige Stunden vor Beginn der Versammlung sein Ziel: Der Raum wurde mir entzogen. Glücklicherweise war an diesem Abend im Dorfe noch der Saal einer Gastwirtschaft frei. Dieser fasste 500 Personen. Bereits zehn Tage später, am 21. Jui 195k, sprach Bruder Poljak in Stuttgart im Zirkus Althoff über: "Israel im Heilsplane Gottes" vor über 3000 Zuhörern. Am 13. Januar 3 52 fand :. in der Stadthalle in Stuttgart-Plieningen die berüchtigte Plieninger Versammlunng statt mit den Thema: "Warum der Kampf - meine Antwort an D. Haug, Landesbischof von Württemberg, D.Hartenstein, Prälat

von Stuttgart, Pfarrer Majer-Leonhard, Vertreter der Judenchristlichen Allianz, Direktor F. Heitmüller u.a." nachedem Bruder Poljak vorher vergeblich versuchte, eine Unterredung mit dem Landesbischof von Württemberg zu haben, um der Versammlung in Plieningen den Kampf-Charakter zu nehmen, die jedoch vom Oberkirchenrat abgelehnt wurde. Diese Versammlung wirbelte noch vor einem halben Jahr Staub auf, wie wir im Ludwigsburger Gebetskreis feststellen konnten. In der JCG von Oktober 1952 schreibt Bruder Poljak zusammenfassend: "Sieg: Meine Vortrags­reise in Deutschland darf als ein grosser Sieg bezeichnet werden. Wie gross er ist, kann man nur ermessen, wenn man berücksichtigt, dass ich fast alle Kirchen und Gemeinschaften gegen mich habe."

Am 11. Januar 1953 fand eine grosse internationale Konferenz in Stuttgart im Zirkus Althoff statt.

"Rückblick: Zwei Jahre Deutschland" JCG Juni 1953: "Dank! Darum kann ich diesen Rückblick nur schliessen mit Dank gegen Gott für die mir selbst unbegreifliche Gnade und die zahllosen Wunder auf meinem Wege durch Deutschland. Auf diesem Wege klangen mir immer wieder die Psalmworte auf: "Auf Löwen und Ottern wirst du treten, junge Löwen und Schlangen wirst du niedertreten. Kein Unglück wird dir widerfahren und keine Plage wird deinem Zelte nahen. Denn er wird seinen Engeln über dir befehlen, dich zu bewahren auf allen deinen Wegen" (Ps.91). So war es. Die zwei Jahre Deutschland gehören zu den gefährlichsten meines Lebens und zu den segensreichsten. Ich habe die Hölle offen gesehen und ihre gefährlichsten Werkzeuge: Menschen mit der Bibel in der Hand. Dann aber habe ich auch die 7000 gesehen, die ihre Knie nicht beugten vor Baal, als Hitler regierte, und auch dann nicht, als die Priester des Baal gegen mich stürmten. Sie durch­schauen alles und weichen nicht von der Königsfahne Christi, dem Kreuz im Davidstern."

Und JCG Nr. 200: "Die erste Nummer dieser Monatsschrift erschien vor 18 Jahren in Jerusalem. Diese 200 Monate waren ebenso gross wie schwer. Voller Licht und Leid. Sie waren so wie sie sein müssen auf dem Wege des Glaubens, sie waren wie die Züge Israels durch das Schilfmeer und durch den Jordan. Rückblickend auf die 200 Monate muss ich sagen, dass ich selbst nicht weiss, wie wir hindurchgekommen sind: "Ein Wunder vor unseren Augen", wie es im Psalm heisst. Der Herr hat es getan. Wir senken heute unsere Fahne voller Dankbarkeit vor unserem Weg und dann wollen wir sie von neuem entfalten und weitertragen, die Fahne, bis ins Reich."

Bei seinen Vortragsreisen, die kreuz und quer durch Deutschland gingen, hat Bruder Poljak so viele Orte berührt und an ihnen gesprochen, dass es eigentlich jedem Menschen möglich war, ihn zu hören; denn dies ist, wie es von dem Apostel Paulus in der Apostelgeschichte 26,26 heisst: "nicht in einem Winkel geschehen". Mit diesem gewaltigen Ringkampf, den ich auszugsweise und nicht im geringsten auch nur annähernd erschöpfend skizzieren durfte, hat Bruder Poljak als Werkzeug Gottes die Türe ins Königreich weit aufgestossen, wie Bruder Brüggemann am Grab zum Ausdruck brachte. Auch hat er den ganzen Ratschluss Gottes uns verkündigt, wie dies Bruder Wiedemann ebenfalls am Grabe sagte. Das alles geschah in Deutschland! Können wir die grosse Gnade ermessen, die Gott uns damit zuteil werden liess? Haben wir damit nicht eine sehr grosse Verantwortung?"Denn wem viel gegeben ist, von dem wird man viel fordern."

Aber unser lieber Bruder Poljak hat nicht nur den köstlichen Ringkampf gerungen, sondern er hat auch den Glauben bewahrt, das sehen wir z.B. bei folgendem, und das soll uns auch als Richtschnur dienen: Da heisst es in einen Brief von Ende Mai 1951 an Fritz Braun u.a.: "Und dann möchte ich auch nicht sofort groosse Versammlungen haben, sondern will erst in Altersheimen, Krankenanstalten sprechen, weil ich der Meinung bin, dass auch diese Menschen, die nicht in Versammlungen gehen können, mich hören wollen, und weil ich ferner auf die Gebetskräfte dieser Kreise grössten Wert lege. Bevor ich mit meiner öffentlichen Wirksamkeit in Deutschland beginne, will ich einen Gebetsbund in Deutschland hinter mir wissen. Und da scheinen mir, wie gesagt, die Alten und Kranken die besten." Oder über die Ansage von Vorträgen in Deutschland; "In einigen Wochen werde ich mit meinen Vortragsreisen in Westdeutschland beginnen. Mir liegt daran, zunächst nur in Freundeskreisen zu sprechen, d.h. nur vor Menschen, die Verständnis für das prophetische Wort haben und der judenchristlichen Botschaft, der Botschaft vom

Reiche aufgeschlossen sind. Keine Zeitungsinserate, keine Plakate. Ich bin bereit, auch in kleinen Kreisen zu sprechen, sowie in Altersheimen und Spitälern vor solchen, die zu keinen Versammlungen gehen kennen."

Bezeichnend für seine innere Glaubenshaltung, und wie er sich führen liess, ist eine Notiz vom Juli 1951: Besuch von Herrn Pfarrer Fetzer von Nordheim bei Abram Poljak. Er wollte ihn nur kennenlernen und bat um keinen Vortrag, da Abram Poljak angesagt hatte, erst in einigen Wochen Vorträge zu halten. Abram Poljak war darüber so erfreut, über die Demut dieses Mannes, dass er sagte: Bei Ihnen halte ich meinen ersten öffentlichen Vortrag. Oder von einem Bibelkurs in Stuttgart: Das Thema: Die Bibel, Gottes Wort; der Kampf um die Bibel; der Weg des Glaubens und Fragen der Endzeit. In der JCG vom Jan. 1953 wird das Programm der Reichsbruderschaft wie folgt zusammengefasst: "Das königliche Gebot. Keine Organisation. Brüder, keine Führer. Keine Zersplitterung. Freiheit. Keine Gesetzlichkeit. Das neue Gebot, dass ihr euch untereinander liebet. Heimat für Heimatlose."

Und wie hat unser entschlafener Bruder seinen Lauf vollendet! Wie hat er sein Ziel erreicht, wie dürfen wir den Ausgang seines Wandels anschauen!

Eine Siedlung in Israel war mit seine grosse Vision. Gott hat ihm diese Aufgabe nicht mehr übertragen. Aber trotzdem durfte er seinen Siedlungsgedanken verwirklichen und zwar hier in Möttlingen. Am 12. September 1951, also vor etwas über 12 Jahren, hat Abram Poljak den Boden Möttlingens zum ersten mal betreten. Zur Durchführung des äusseren Werkes, insbesondere der Herausgabe der JCG und der Patmos-Hefte, sowie zur Verwirklichung des Siedlungsgedankens wurde am 9.Mai 1952 in Stuttgart der Missionsverein Patmos als gemeinnütziger Verein gegründet. Am 18.Jan.1953 sagte Bruder Poljak in einem Vortrag in Stammheim bei Calw, wo eine Kinder­rettungsanstalt besteht, die von D.Barth gegründet wurde,der 1938 Pfarrer in Möttlingen war:"Es müssen noch Gebetskräfte in Möttlingen und in Stammheim sein, die das Reich herbeibeten. Was ich zu verkündigen habe, ist nichts Neues, sondern es ist der Schlussstein zu der Arbeit Machtolfs, D.Barths, Blumhardts und Vater Stangers." Am 5.+ 6.Jan.1954 kaufte Gottfried Müller das erste Land in Möttlingen. Am 13.März 1954 hielt Abram Poljak im Rathaussaal seinen ersten Vortrag in Möttlingen, bei dem er wegen Überfüllung; in zwei Abteilungen sprechen musste. Das Thema lautete: "Blumhardt, Stanger und die Heilungen in der Bibel" Es war dies übrigens am 20. Todestag von Friedrich Stanger. Am 18. April 54 fand die Osterkonferenz, ebenfalls eine internationale Konferenz, im Zirkus Althoff zum dritten Mal statt. Am Ostermontag, also am 19.4.54, wurde durch die Gäste der Osterkonferenz das in Möttlingen gekaufte Land besichtigt. Am 29. Mai 1954 wurde auf einer Konferenz des Patmos-Vereins in Möttlingen in Abwesenheit von Bruder Poljak, aber mit seinem Einverständnis, der Beschluss gefasst, die 4 Einfamilienhäuser zu bauen, in denen wir uns jetzt befinden, d.h. nebenan. Auf der Osterkonferenz wurde u.a. auch beschlossen, eine Dezentralisation durch­zuführen dahingehend, dass von Stuttgart aus keinerlei Anweisungen mehr an die Gruppen des Landes erfolgen sollten. In der JCG vom Nov. 54 schreibt Bruder Poljak: "In den letzten Monaten habe ich in Deutschland nur noch auf Konferen­zen gesprochen. Ich werde, solange die Verhältnisse es noch erlauben, nur noch den Patmos-Verlag in Stuttgart leiten und das Siedlungswerk in Möttlingen fördern." Und in der JCG Januar 55 heisst es: "Unter Förderung der Möttlinger Arbeit ver­stehe ich, dass ich auch bereit bin, wieder Vorträge in Deutschland zu halten, um im Falle von Finanzierungsschwierigkeiten die Kollekten diesem Siedlungs­werk zuzuführen." Was bedeutet das? Bruder Poljak wollte sich, wie alle Anzeichen zeigten, aus Deutschland zurückziehen. Aber Gott erlaubte es ihm nicht. Deshalb mussten wir bei unserem Beschluss, diese 4 Häuser zu bauen, einen Fehler begehen, indem wir anstatt 2 Häusern, die wir hatten verkraften können, 4 Häuser in Auftrag gaben. Aber so kann auch Gott unsere Fehler benutzen, um sich zu ver­herrlichen und Seine Ziele zu erreichen, denn Er bewirkt ja alles nach dem Ratschluss Seines Willens (Eph.1,11). Und in unserem Falle sollte unser lieber Bruder Abram Poljak Deutschland nicht verlassen, sondern seinen Lauf hier be­enden. Am 1.Nov.1954 fand die Grundsteinlegung in Möttlingen statt; am l4. Okt. 55 erfolgte der Umzug des Verlages nach Möttlingen, und Pfingsten 56 fand die erste internationale Pfingstkonferenz hier statt. Als Bruder Poljaks Aufgabe eigentlich in Deutschland beendet sein sollte, hat Gott ihn hier noch weitere sieben Jahre festgehalten, was wir nur als ganz besondere Gnade Gottes ansehen können. Am Grabe unseres heimgegangenen Bruders sah ich einen Kranz der Geschwister Brode in Kiel, die bei der Gründung der Patmos-Siedlung auch massgeblich beteiligt waren. Auf der Schleife steht das Wort l.Kön.19,14a: "Elia sprach: Ich habe sehr geeifert für Jehova, den Gott der Heerscharen." Treffender kann man das Leben Bruder Poljaks nicht charakterisieren. Aus diesem Eifer für Jehova, besonders in unseren letzten Tagen, diesem Eifer für die Botschaft vom Reich, ist es auch verständlich, dass bei der grossen Toleranz aber Kompromisslosigkeit unseres lieben Bruders Poljak nach unserer Auffassung und Meinung - ich sage nach unserer Auf­fassung und Meinung - er ab und zu mal über das Ziel hinausgeschossen ist - ich sage nochmals: Nach unserer Einsicht. Aber von der menschlichen Seite sieht vieles ganz anders aus als von der göttlichen. Denn von Gott aus gesehen werden keine Fehler gemacht, ist alles recht; und Er benutzt unsere Fehler und Schwächen, Sich zu verherrlichen. Er bewirkt ja alles. Denken wir nur an die Geschichte Davids mit Uria und Bathseba; und wer entsprang daraus? Ein Salomo, ein Fürst des Friedens! Unser Bruder Poljak ist bei Gott rehabilitiert; er ist gerechtfertigt bei Ihm. Eines seiner treffendsten Worte, die mich immer beeindruckten, war: "Elia war ein Mensch wie wir". So war auch Bruder Poljak ein Mensch wie wir, aber ein gott­begnadeter. Wir wissen alle, wie er gekämpft und gerungen hat, dass er sich keine Ruhe und Erholung gönnte. Seine grosse Demut als Zeichen seines Begnadetseins wird am besten dahingehend beleuchtet, dass er vor seinem Heimgang sagte: "Ich komme nicht als Fürst nach drüben, sondern als armer, elender Sünder." Auch hatte er allen seinen Feinden vergeben, wie er dies schon früher in der JCG ausdrückte. Sein Leben war, wie es eine Schwester an seinem Grabe betete, ein Leben für den Herrn. "Leben wir, so leben wir dem Herrn. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Sei es, dass wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn." Den köstlichen Ringkampf habe ich gerungen, den Lauf habe ich vollendet, den Glauben habe ich bewahrt. Hinfort ist mir aufbewahrt der Siegeskranz der Gerechtigkeit, mit dem mir der Herr an jenem Tage vergelten wird. Er, der gerechte Richter. Nicht allein aber mir, sondern allen denen, die seine Erscheinung liebhaben." "Gedenket eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben; und den Ausgang ihres Wandels anschauend ahmet ihren Glauben nach." Amen.

2) Heinrich Lohmeyer:

Liebe Freunde, wir haben eben aus dem Leben und dem Dienst unseres lieben Bruders gehört, und ich möchte heute nicht viel reden, sondern an dieser Stelle zum Ausdruck bringen die Dankbarkeit gegenüber Gott wegen Seiner grossen Gnade, die in dem Werk und Dienst unseres lieben Bruders uns gegenüber zum Ausdruck ge­kommen ist. In jener Zeit, als die Macht und die Finsternis in unserem Lande und die Verführungsmacht in unserem Lande überhand genommen hatte, hat uns der Herr ein Licht aufgesteckt aus Israel, und wir durften es sehen und durften es erkennen. Nun ist dieses Werk und dieser Dienst unseres lieben Bruders be­endet. Und wir fragen uns: Was wird jetzt geschehen? Meine lieben Freunde, es handelt sich hier nicht und in keiner Weise um Menschenwerk, sondern um ein Werk der Gnade und ein Werk Gottes zu unserer Errettung und Zubereitung für Sein Reich. Und dieser Dienst und dieses Werk ist beendet. Und jetzt muss ein jeder von uns zusehen, was er mit dieser Gnade macht. Denn das Wirken Gottes und das Evangelium Gottes und die Botschaft vom Reich sind ein Geruch des Lebens zum Leben, aber auch ein Geruch des Todes zum Tode, wie der Apostel Paulus ge­sagt hat. Darum wollen wir es uns sagen lassen und zu Herzen nehmen diese Gnade und uns beugen vor Gott. Und alle, die diese Gnade angenommen haben und die Liebe zu Israel in ihr Herz genommen haben und sich nun angesichts dessen, was ihnen von Gott offenbart ist, sich Gott übergeben rückhaltlos und bedingungs­los als Opfer auf Seinen Altar, die werden gesegnet werden, in dieser Zeit und in der Zukunft, und wir werden diesen Segen brauchen, um Zeugen Christi und

Zeugen Seines Reiches zu bleiben auch in der Stunde der Fisternis. Gott wird diese Welt auch in der schwerstem Sunde nicht ohne Seine Zeugen lassen. Darum, wer diese Berufung fühlt, entscheide sich rückhaltlos. Und das will ich auch tun - Gott übergeben als Knecht, als Diener, als Soldat. Und des Werk tun, das uns Gott aufgetragen hat. Denn dieses Werk geht weiter, steht und fällt mit einem jeglichen Einzelnen unter uns. Und so dürfen wir in diesem Glauben mit Mut in die Zukunft schauen, denn Er, der Herr, in dessen Hand wir stehen und in dessen Hand dieses Werk steht, ist grösser als alles. Und wir wollen bitten:

3) John Brockis

Liebe Freunde,

unser geliebter Fahnenträger hat seinen Lauf beendet und hat seinen Kampf hier auf Erden beendet. Wir wollen von ihm sagen, was von St. Paulus gesagt wurde:"Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf beendet, ich habe den Glauben gehalten. Von nun an ist aufbewahrt für mich der Kranz der Ge­rechtigkeit". In die Hand Abram Poljaks hat Gott die Fahne des Reiches gelegt. Diese Fahne des Kreuzes im Davidstern war vorher nie gesehen worden. Wir sehen darin eine Parallele mit Theodor Herzl. Als Herzl sein Werk begann, gab Gott ihm nur eine Fahne; so war es bei unserem Bruder Poljak. Er hat nur die Fahne ent­faltet. Aber dies hat einige Juden umgewandelt und sehr viele Christen. Die Juden wurden etwas, was mehr ist als ein Jude, und die Christen wurden zu etwas, was mehr ist als Christen. Und so wurde die Judenchristliche Bewegung geboren. Liebe Freunde, unser lieber Bruder Abram Poljak hat uns immer dazu angeleitet, unseren Weg in der Bibel zu finden (suchen). Und wir betrachten in dieser Bewegung immer das Alte und das Neue Testament. Darum wollen wir jetzt ein Wort aus dem Alten und ein Wort aus dem Neuen Testament betrachten.

Das erste Wort ist von Josua 1,5. Als Israel um Moses trauerte, waren sie

an der Grenze des verheissenen Landes angelangt. Und Gott gab Josua, dem Nachfolger Moses ein Wort: "Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dir meine Hilfe nicht entziehen und dich nicht verlassen". Und Israel zog dann in das verheissene Land ein.

Und jetzt denken wir an den Weggang des Herrn von dieser Erde. Die meisten Juden glaubten, dass dies das Ende sei dieser Bewegung, als Jesus zu Tode gemacht wurde, aber Jesus richtete an die Jünger ein Wort: "Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Weltzeit".

Ich möchte ein besonderes Wort an meine lieben Geschwister in Deutschland rich­ten: Im letzten Weltkrieg musstet ihr für das Christentum einstehen. In den Kämpfen, die uns bevorstehen, habt ihr eine schwerere Aufgabe: Ihr müsst euch ein­setzen für das Judenchristentum. Die Fahne, die Abram Poljak trug, hat er uns übergeben. Sollen wir trauern, weil er heimgegangen ist? Ich möchte ein Wort Jesu an seine Jünger zitieren, und wenn ihr traurig seid über den Heimgang unseres Bruders, so bewahrt dies Wort in euren Herzen: "Wenn ihr mich liebtet, dann würdet ihr euch freuen, dass ich zu meinem Vater gehe, und mein Vater ist grösser als ich".

4) Arthur Schiemer:

Liebe Geschwister,

in Dan. 12 steht geschrieben: "Zu jener Zeit nämlich wird Michael auftreten, der grosse Engelfürst, der deine Volksgenossen beschützt, und es wird eine Zeit der Bedrängnis eintreten, wie noch keine gewesen ist seitdem es Völker gibt bis zu jener Zeit. Aber dein Volk wird in jener Zeit gerettet werden, nämlich ein jeder, der sich im Buch des Lebens aufgezeichnet findet. Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden erwachen; die einen zu ewigem Leben, die anderen zu Schmach, zu ewigem Abscheu. Die Verständigen aber werden Leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste und die, welche viele zur Gerech­tigkeit geführt haben, wie die Sterne in alle Ewigkeit." Und in Matth. 24 heisst es in der grossen Rede Jesu Christi: "Und die Botschaft vom Reich wird gepredigt werden zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen."

Liebe Geschwister, wenn ich mit ein paar Worten das Geschehen des Ablebens Bruder Poljaks von der menschlichen Seite her betrachte, so bitte ich, das nicht miss­zuverstehen als eine Menschenverehrung, sondern, ich kann mir denken, dass auch die grossen Könige und Propheten des Volkes Israel auch die Herzen der Volksge­nossen bewegt haben. Und selbst Jesus Christus war bewegt über den Tod des Lazarus, obwohl er wusste, dass er ihn wieder auferwecken wird. Es ist keine Menschen­verehrung, wenn wir von unserem lieben Bruder Poljak auch die menschliche Seite hervorheben. Sondern es ist die Liebe, die uns treibt, von ihm zu sprechen als von einem Menschen der Güte, der von uns genomnmen wurde, und wodurch unser irdisches Dasein ärmer wurde, aber wir vielleicht im geistigen Bereich mehr gewinnen werden. Als wir vor zwei Jahren die Gedenkfeier für unsere liebe Schwester Agnes Waldstein hatten, da haben wir unbewusst gefühlt -und es hat sich nachher gezeigt, dass ein mütterliches Moment in unserer judenchristlichen Gemeinde und Reichsbruderschaft von uns genommen wurde. Und jetzt ist durch den Heimgang unseres lieben Bruders Poljak das väterliche Moment weggenommen worden ; DENN er war wie ein Vater zu uns, weil er uns lehrte. Wir haben durch die Geschwister vorher schon gehört, dass seine Sprache, die auf den Konferenzen und in der JCG zu uns sprach, unser Herz bewegt hat, wie keine andere Sprache über religiöse Dinge. Wir wussten, das, was hier gesprochen wird, was hier geschrieben steht, das ist richtig, das ist wahr, und so ist es biblisch fundiert und so spricht es auch unser Herz an. Und man hat uns, als uns die Gnade Gottes der Judenchristlichen Bewegung zuführte, man hat uns nicht viel zu erklären brauchen. Wir brauchten nur ein paar Zeilen zu lesen, und wir wussten: Hier ist die Wahrheit. Dadurch lernten wir, die wir aus der Finsternis und aus der Finsternis des II.Weltkrieges und des Dritten Reiches kamen - hinter uns die Schatten der KZ's und der Greuel, die dort verübt wurden. Wir lernten auf einmal, nicht nur die Judenchristliche Gemeinde zu lieben, sondern wir lernten die Juden zu lieben. Und das ist ein gewaltiges Geschehen, das man nicht theoretisch einem predigen kann, sondern da müssen Worte in Vollmacht ge­sprochen werden, dass die Herzen der Menschen bewegt werden und sie von einem Tag zum andern, von einer Stunde zur andern gewandelt werden und ein Volk zu lieben beginnen, nicht nur mit Worten, sondern mit dem Herzen. Und das ist das, was Bruder Poljak durch die Gnade Gottes ausgeführt hat. Er suchte nie das Seine und all sein Dienen diente nur zur Verherrlichung Gottes. Deshalb habe ich die Stelle in Daniel angeführt: "Die Verständigen aber werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste und die welche viele zur Gerechtigkeit geführt haben, wie die Sterne in alle Ewigkeit". Viele zur Gerechtigkeit geführt haben - was ist Gerechtigkeit? Es heisst von Abraham: Abraham glaubte Gott, und das rechnete Gott ihm zur Gerechtigkeit" In dieser Gerechtigkeit empf'ieng er dann diesen wunderbaren Segen, in dem wir alle eingeschlossen sind, in dem wir uns alle verbunden fühlen, in dem die Hoffnung des Tausendjahrreiches und die Gewissheit des Tausendjahrreiches begründet ist: In dir und deinem Samen werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde. In dem Samen und in dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs - wie unendlich dankbar dürfen wir Gott sein, dass er uns durch Seinen Diener diese Liebe zu Israel gelehrt hat, zu den Juden, und zu unseren juden­christlichen Geschwistern- nicht mit Worten gelehrt hat, sondern sie sind eingegraben in unser Herz und wir dürfen so unendlich dankbar sein. In diesen Dank, den wir Gott schulden und jeden Tag aufs neue uns verpflichtet fühlen - in diesen Dank schliessen wir auch ein unseren lieben Bruder Poljak, der durch sein Wirken viele zur Gerechtigkeit geführt hat. Und er wird leuchten wie die Sterne.

5) Albert Springer

Es ist ja klar und selbstverständlich, dass wir als Menschen den Heimgang unseres Bruders empfinden. Das ist auch richtig. Aber wir wollen die Sache in der richtigen Perspektive sehen. Für uns ist ja das Hinübergehen weiters nicht schwierig - es war für unseren Bruder nicht schwierig - hier zu sein und zu leben ist manchmal viel schwieriger. Denn das Hinübergehen ist für uns, wie wenn wir von einem Raum uns in den nächsten Raum begeben: Wir gehen durch eine Tür. Der Herr hat selbst darauf hingewiesen, dass Er der Weg ist. Das wird vielfach gar nicht verstanden. Was hat denn Christus damit gemeint, wenn Er gesagt hat: Ich bin der Weg - ich bin der Weg von der Erde zum Himmel, von den Menschen zu Gott. Und so wir diesen Weg gehen, da gibt es eben eine Kontinuität. Es gibt keinen Unterbruch; es gibt wohl verschiedene Abschnitte auf diesem Weg, aber es gibt keinen Unterbruch; es geht weiter auf diesem Weg. Und so wissen wir auch, dass Bruder Abram Poljak einfach durch eine Tür in einen anderen Lebens­abschnitt hineingegangen ist, der zwar ganz anders ist, der sich in vielem unterscheidet von diesem Leben, aber der doch die Fortsetzung ist. Dieses Leben hier ist doch nur eine Prüfung, aber es ist mehr wie eine Prüfung, es ist eine Vorbereitung, eine Schule. Wenn wir auf die Schule und vielleicht auf die Hochschule gehen sollen, was ist das anderes, als eine Vorbereitung, eine Vorbereitung für unsere spätere Laufbahn, eine Vorbereitung für unsere spätere Tätigkeit. Und so ist es schliesslich auch bei diesem Leben. Es ist eine Vor­bereitung für etwas Grösseres, eine Vorbereitun für etwas, was noch wichtiger ist, weil in dieser Sphäre es Beschränkungen gibt, Beschränkungen im Raum, Beschränkungen in der Zeit. Wir können nicht an verschiedenen Orten gleichzeitig wirken. Aber wir sehen ja heute schon, wie sich die Entfernungen z.B. auf dieser Erde verkürtzen; und wie vile mehr ist dies noch der Fall in den geistigen Sphären. Also wir wissen, dass unser Bruder heute noch eine weit grössere Tätigkeit, ein weit grösseres Arbeitsfeld haben wird, wie hier. Und das erfreut uns. Gott macht nichts mit scharfen Unterbrechungen, sondern es gibt eben Über­gänge. Übergänge von einem aufs andere. Einer der Geschwister hat vor einigen Augenblicken gesagt: Gott hat diese Erde nie ohne Zeugen gelassen und wird es auch in Zukunft nicht tun. Und so haben wir in unserem Herzen eben die Gewissheit, dass zwar ein bestimmter Abschnitt in unserer Bewegung jetzt zu Ende gegangen ist, aber dass die Sache weitergeht. Und diese Versicherung, liebe Freunde, will nicht ich euch geben, sondern ich möchte, dass Gott euch in die Herzen diese Versicherung hineingibt. Warum? Diese Botschaft vom Reich muss weitergehen - nicht weil wir es wollen - wir könnten sie ja gar nicht weitertragen - die Botschaft vom Reich - wir werden heute Nachmittag darüber sprechen - geht heute schon in die ganze Welt, aber weil es Gottes Wille so ist, dass diese Botschaft vom Reich erklingt, bis der Herr wiederkehrt.

6) Gerhard Opitz

Liebe Geschwister,

heute morgen ist die Frage gestellt worden: Was bedeutet uns das Werk Abram Poljaks? Wir haben heute ergreifende Worte gehört über den Menschen, und alle, die ihn gekannt haben, werden darum froh gewesen sein. Aber was bedeutet uns sein Werk? Einer der Brüder hat darauf hingewiesen, dass es gar kein Zufall ist, dass es Gott so geordnet hat, dass Abram Poljak hier in Deutschland seine Zelte aufgeschlagen hat und dass von hier aus hineingeredet hat zu denen, die sich Christen nennen. Und ich denke, wir sollten uns ernstlich einmal zurückbesinnen auf alles das, was in unserem Lande geschehen ist, auf alles das, was wir an theologischer Lehrmeinung gehört haben in den Kirchen, in den Gemeinden, in den Freikirchen hin und her. Und wir sollten uns dessen erinnern, dass jeder Mensch, aber auch jede Lehre gemessen werden kann mit einem Massstab, den uns der Herr selbst in die Hand gegeben hat. Er hat uns gesagt: "Seht doch ihre Früchte an", wenn er z.B. von den theologischen Lehrern der damaligen Zeit in Israel sprach, von den Pharisäern, von den Sadduziern, von denen, die die Partei der Herodianer gegründet hatten. "Seht doch ihre Früchte an!" Und so hat mich das sehr tief bewegt: Wenn wir die Früchte dessen ansehen, was in unserem Lande gelehrt worden ist, nicht nur in den letzten Jahren, nicht nur in der Hitlerzeit, sondern Jahre und Jahrzehnte und Jahrhunderte zuvor. Und wenn wir die Arbeit der Menschen lesen, die nun nach der grossen Katastrophe, die zwischen Israel und uns doch sich ereignet hat, wenn wir lesen und lernen, was sie für die eigentlichen Ursachen halten, da müssen wir zutiefst erschrecken. Ich möchte es in einigen kurzen Worten zusammenfassen: Der Hass des jüdischen Volkes, der Antisemitismus, kommt aus der Kirche, aus der Gemeinde. Er hat religiösen Charakter. Das ist uns nichts Neues. Aber gerade das ist die Ursache, dass sich Gott erbarmt hat, auch über unser Land. Und ich möchte euch fragen: Was gibt uns, was gibt dem jüdischen Volk, was gibt einem Menschen, die sich doch Christen nennen, die Sicherheit, dass sich ähnliche Dinge,wie sie sich in unserem Lande zugetragen haben, sich nicht eines Tages wiederholen? Ich glaube es einfach nicht, dass nur der Hass einiger Fanatiker alles dieses furchtbare Unheil angerichtet hat, sondern ich glaube, - und das war doch der Ansatzpunkt der Lehre Abram Poljaks, seiner besonderen Botschaft,- dass in unserer theologischen Verkündigung weithin eben ein Fehler ist. Dass man Israel nicht sieht. Und deshalb ist es gar keine Ermessensfrage, ob wir das, was er gesagt hat, was er gepredigt hat, ob wirs hören wollen oder nicht, ob wirs gering achten oder nicht, wertschätzen oder nicht. Es ist ja doch Gottes erbarmende Liebe, die zu uns spricht und uns aufmerksam macht auf die eigentlichen Ursachen dieser grossen Sünde, in die wir gefallen sind. Und deshalb glaube ich, dass die Arbeit, die hier begonnen hat, dass die Botschaft vom Reich auch mit dem Ableben, mit dem Dahingehen, mit dem Heimgang Abram Poljaks einfach nicht aufhören kann. Denn das Echo, was sie in der Welt der Gläubigen gefunden hat, ist wohl gross. Aber es ist noch nicht so durchschlagend gewesen, dass sich wirklich die entscheidenden Grundlagen geändert, haben. Und ich denke, das sollte unsere wesentliche Aufgabe auch sein, dass wir den Herrn immer wieder bitten, dao Er uns so viel Licht gibt, dass Er uns frei macht von allem Selbstbetrug, von aller Illusion, von aller Ichbezogenheit. Und ich denke, es war Bruder Abram Poljak in besonderer Weise gegeben, durch seine wunderbare, klare Redeweise, durch den makellosen Stil auch seiner Aussagen, alles das deutlich zu machen, was hier einfach unerledigt ist, was doch nun errungen und erbetet werden muss von denen, denen es wirklich ein Anliegen ist, dass sie in Ordnung kommen. Ich erinnere mich an eine Gebetsversammlung, die wir in Norddeutschland hatten, wo wir uns fragten, wie ist es denn möglich- es war die Rede davon, dass Israel die Braut Jesu Christi sei - dass sich die Menschen, die sich zum Leib Jesu zählen, dass es ihnen gleich­gültig ist? Wieso ist das so? Es gibt das doch gar nicht! Wieso kann es denen, die gläubig sind, die den Herrn liebhaben, gleichgültig sein, was mit denen ist, die Seine Braut genannt werden? Und deshalb meine ich, sollten wir uns in be­sonderer Weise auch immer wieder im Gebet hinter die Arbeit stellen, die den Brüdern auferlegt ist. Eben die Botschaft vom Reich und alles, was damit zusammen ­hängt, uns Anstösse zu geben, dass sich unsere theologischen Lehrer und alle die Führer, dass sie sich endlich doch besinnen möchten. Diese Arbeit zu tragen im Gebet, das ist die wesentliche Aufgabe der Stillen im Lande. Und ich möchte jetzt doch mich an einen Gebrauch anschliessen, den Abram Poljak uns immer auch so vor­praktiziert hat - er hat uns doch nie angesprochen, ohne ein Gotteswort seiner Aussage zugrundezulegen. Und so möchte ich lesen aus der Offenbarung des Johannes im 3.Kap. den 10. Vers: "Darum, dass du hast bewahrt das Wort meiner Geduld, will ich auch dich bewahren in der Stunde der Versuchung, die über den Weltkreis kommen wird, zu versuchen alle die, die auf Erden sind". Es wird ja nicht harmloser werden, es wird ja nicht so kommen, dass die Dinge sich entschärfen. Abram Poljak hat uns viel und immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass wir noch härteren Prüfungen entgegengehen als denen in der Vergangenheit, und deshalb ist es gut, das Wort der Geduld des Herrn zu bewahren. Es steht da; Wenn der Herr Israel erwählt hat, dass es sein Volk sein soll im Tausendjahrreich, dass Israel da grosse Aufgaben hat, wie können wir da so vermessen sein, das zu vergessen und ungeduldig werden und sagen: Sieh die doch an, wie sie sind, siehst du geistliches Leben? So wird doch gefragt in den Gemeinden! Aber das ist nicht gut. Wir sollten uns daran erinnern, dass Gott, der Herr, sich ins Herz gesetzt hat, mit ihnen grosse Taten zu tun, ihnen eine grosse Zukunft zu schenken. Und in diesen Richtungen und Linien sollten wir beten und sollten sie wirklich tragen, dass sie in diese grosse Berufung hineinkommen. Das sehe ich als eine wesentliche Aufgabe an, die uns gestellt ist. Wenn wir das tun, wenn wir bleiben am Wort der Geduld, das der Herr uns auch gegeben hat, dann haben wir die Verheissung, dass der Herr uns bewahren will in der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Weltkreis kommt, dass wir uns nicht treiben lassen von allem Wind der Lehre. Liebe Geschwister, das was war, hat ein gewaltiges Gewicht. Zwei Jahrtausende christlicher Tradition, das ist kein Geringes! Und wir sehen, wie schwer die Männer, die heute mit der Führungsaufgabe betraut sind, wie schwer sie an dieser Tradition tragen. Aber wenn eine Tradition Früchte hat, wie wir sie hier hatten in Deutschland, dann ist sie schlecht, dann muss sie abgelöst werden durch eine neue Haltung. Und wesentlich ist das die Aufgabe, die Abram Poljak doch vom Herrn auch bekommen hat, eine unendlich schwierige Aufgabe, eine Aufgabe, die für einen Menschen fast zu schwer ist. Aber er hat sie angefasst; und wie er gesagt hat: Wenn ich falle, werden andere kommen, die Fahne weiterzutragen, so glaube ich, dass der Herr nicht Ruhe geben wird, bis wir in die Klarheit hineinkommen, in das rechte Verhältnis auch Israel gegenüber, dass wir endlich lernen, es nicht nur lehr­mässig zu begreifen, sondern, dass es uns ein Herzensanliegen wird. Wenn uns der Herr das schenken kann, dann kommen wir voran, dann kommen wir in das Licht, und dann werden wir teilhaben an der Verheissung, die denen gegeben ist, die das Wort seiner Geduld bewahren. Amen.

7) Fritz Haas:

Liebe Freunde,

ich habe den Auftrag, über die Botschaft vom Reich und die Gemeinschaften zu sprechen. Ich will mich sehr kurz fassen, denn jeder kann sich an fünf Fingern abzählen, dass man darüber ein paar Stunden reden könnte. Man kann dieses Thema nicht berühren, ohne einen gewissen Vorgang zu schildern, nämlich den Vorgang der Hitler-Aera. Wir wissen, dass durch die Hitler-Aera, durch den Zweiten Weltkrieg und durch jenen Ausbruch der Dämonen, die jeder höher Differenzierte von Anfang an erkannte, die Welt des Geistes und der Materie zutiefst umgepflügt wurden; und durch dieses Umpflügen haben wir erst diesen Boden bekommen, in den unser lieber Bruder Poljak so erfolgreich die Botschaft vom Reich hineinsäen konnte.

Wir wissen, dass ein grosser Teil gerade der Gemeinschaften die Hitlerzeit richtig erkannte, aber man hat jene Zeit, wie es eine Gemeinschaft in ihrer Festschrift gerade symptomatisch festlegte, damit abgetan, dass man sagte: Wir haben in jener Zeit passive Neutralität gewahrt. Und das ist für mich persönlich ein Schreckensbild sondersgleichen, das mich sofort an die Lauen, an Laodicea erinnert; und niemand, der Erkenntnis hat und diese nicht irgendwo zu Taten umwandelt, wird so schwer rangenommen, wie es gerade auch unseren Gemeinschaften geschah. Die JCG, die schon 44 aus der Schweiz nach Deutschland hereinkam, und die auch uns erreichte kurz nach dem Krieg, hat diesen Leuten, die eine Schau für den Heilsplan Gottes hatten, enormen Auftrieb gegeben, weil wir alle wussten: Die Gemeine Jesu kann erst komplett werden, wenn die Gläubigen aus Israel hinzugetan werden, wenn wir mit ihnen Kontakt aufnehmen dürfen. So war es gar kein Wunder , dass der überwiegende Teil der Gemeinschaftsführer der JCG sehr freundschaftlich gegenüberstand und das Blatt las mit grosser Aufmerksamkeit, bis der Botschafter selbst, unser lieber Bruder Abram Poljak, nach Deutschland kam. Dann haben sich diese Reihen sehr rasch gelichtet. Es ist vielleicht noch bemerkenswert, wenn wir feststellen, dass Bruder Poljak schon auf der ersten grossen Rede im Zirkus Althoff am 21.Juli 1951 klipp und klar verkündete: Die Kirchen und Gemeinschaften brauchen keine Angst vor mir zu haben, ich werde keine neue Sekte gründen und keine neue Gemeinschaft. Das ist bis heute so geblieben, und das wird, so Gott will, auch in Zukunft so bleiben. Wir streben keine Organisation und keine Ge­meinschaft an, auf dem Boden, wie sie vorhanden war. Aber wir sehen an den grossen Zeichen, die sich auch sonst im religiösen Rahmen ergeben, dass wir in einer Zeit leben, in der die grossen Zusammenschlüsse stattfinden - nicht nur auf politischem Gebiet, auch auf religiösem Gebiet. Dabei wollen wir niemand irgendwelche falschen Absichten oder geringe egoistische Ziele unterstellen, denn alles, was geschah auf Allianz-Grundlage oder auf dem Boden der ökumene oder heute im Vatikanischen Konzil, hat bestimmt irgendwelche göttlichen Ziele auch durchzuführen. Nur sehen wir, dass wir zu einer ähnlichen Aufgabe grundsätzlich berufen waren, aber nicht mit organisatorischen Mitteln, sondern allein durch die Rede Jesu, allein durch die Botschaft vom Reich, allein durch die Bergpredigt und das Evangelium. Für uns war es schon in der Nazi-Zeit kein Problem, wenn die Parolen ausgegeben wurden: Seid untertan der Obrigkeit. Dann haben wir damals schon gesagt: Man muss Gott mehr gehorchen wie den Menschen. Und diese Parole galt für uns auch, als wir mit den ersten Heften der JCG bekannt wurden. Nationale Ressentiments oder gemeinschaftlicher Ballast oder was da sonst noch hindernd oder trennend auf uns gelegt war, das hatte eben abzutreten. Denn wir sehen, dass Christus für die ganze Welt gestorben ist, dass die Botschaft vom Reich für die ganze Welt gilt und dass die kommende Entwicklung auf diese Sache hinlaufen wird. Nur bedarf es in dieser Zeit noch der persönlichen Freiheit, die sich ein jeder selbst mit Hilfe Gottes erobern muss. Denn wir sind eine wahre Gemeinschaft der Freien, wir sind nicht gebunden, wir sehen als alleinige Aufgabe für uns im Rahmen dieser Botschaft vom Reich, wie ich neulich so schon gelesen habe in einer Abhandlung über alte Meistergeigen, dass wir den Resonanzboden für die Saiten, die unsere israelischen Geschwister darstellen, abgeben. Und wenn wir in der richtigen Resonanz, in der richtigen Schwingung sind, dann wird mit Gottes Hilfe diese Sache wirklich zu einem Wohlklang Gottes und zu einem Gericht und Segen für die Menschheit.

Nun zu diesem Gemeinschaftsproblem: Wir wissen, dass ein grosser Teil der Ge­meinschaften aus achtbaren Motiven sich einst aus den kirchlichen Organisationen löste und aus dem kirchlich-organisatorischen Leben heraustrat, aber im Lauf der Jahre und Jahrzehnte sind sie erstarrt, von Theologen unterwandert worden und vom traditionell christlichen Geist, der, wie unser Bruder Opitz eben sagte, in sehr vielen Spitzen die antisemitischen Früchte trug, hingetrieben worden.

Und diese Gemeinschaften wurden durch die Botschaft vom Reich so hart konfrontiert; dass sie natürlich nicht in Bausch und Bogen diese Botschaft annehmen konnten, war uns von vornherein klar, sondern es sollte nur eine Auswahl, eine Herauswahl aus ihnen diese Botschaft aufnehmen und weitertragen; und um diese Auswahl zu treffen, musste unser lieber Bruder Poljak mit den Worten der Propheten, mit den

Worten Christi die Wahrheit unverblümt und kompromisslos ihnen entgegenschleudern, und das führte zu Scheidung, zu Siebung und zu Sichtung, bis in unsere Tage.

Wenn wir nun hier noch zusammenkommen, dann heisst das in keiner Weise, dass wir uns überheblich oder auserwählt oder in einem besonderen Mass einer vollkommenen ecclesia zugehörig wissen; denn unsere menschlichen Fehler und Schwächen die sind so gross, dass wir absolut in der Demut gehalten werden und dass wir hier den Rahmen nicht überspannen werden, weil uns wirklich unsere Schwachheiten davor bewahren. Aber in mancher Nacht habe ich mich mit Gemeinschaftsleuten in jener Zeit unterhalten über die Botschaft vom Reich. Und wenn wir an strittige Punkte kamen, dann musste ich ihnen immer wieder vorhalten in Parallele zu den Worten Christi: "Wer sein Leben erhalten will, der wirds verlieren" und ich sagte ihnen: Wer seine Gemeinschaft zu erhalten sucht mit Kompromissen, der wird sie ver­lieren. Wer sie aber verliert um Christi willen, der wird sie finden.

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