Jan 20, 2020

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"Der Herr Segne Dich und Behüte Dich"

Orientierungsplan

nach einer Ansprache vom 20.11.1960

Ich denke, dass ich dieses Wort schon einmal erwähnt habe, aber wir können diese Gedanken nicht oft genug wiederholen, damit sie in uns bleiben. Es hat keinen Zweck, solche Worte anzuhören, sich zu begeistern und dann wegzugehen und zu vergessen. Es muss ein Lied sein, das in uns klingt, ein Motiv, das uns verfolgt Tag und Nacht.

Wir wollen also das Wort aus dem Alten Testament "der Herr segne dich und behüte dich" wieder betrachten. Aber wie ich immer sage: Jedes Wort in der Bibel hat seine Bedeutung, da gibt es keine Zufälle; jedes Komma hat seine Bedeutung. Wenn wir doch nur einmal die Bedeutung der Worte der Bibel kennenlernen würden, damit wir verstehen, dass es tatsächlich Gottes Wort ist und dass in jedem Wort eine ungeheure Weisheit steckt. Man kann natürlich hier sagen: 'Braucht denn Gott doppelte Worte? Wenn es heißt "der Herr segne dich" - genügt denn das nicht, warum soll Er uns dann noch behüten; wenn Er uns segnet, sind wir dann nicht auch behütet!' Nein, und nochmals Nein! Es hat seine Bedeutung dieses Wort "und behüte dich". Warum hat der Heilige Geist, der Geist der Weisheit, vorgeschrieben, dass wir beten sollen: "Herr segne uns und behüte uns" - nicht nur "segne uns", sondern auch "behüte uns"? Wann sollen wir denn behütet werden? Wir müssen dann behütet werden, wenn wir gesegnet sind. Es ist ein großer Fehler, den viele Leute machen: sie lassen sich segnen und springen dann davon, bis sie mit ihrem Segen in der Hölle landen. Kann man denn mit dem Segen in die Hölle kommen? Natürlich! Wenn man nämlich den Segen missbraucht. In welcher Gefahr steht ein Mensch, der gesegnet ist, der hoch steigt durch den Segen? Er steht in der Gefahr, dass er durch den Aufstieg, durch das 'Hochsteigen' hochmütig wird. Und damit fällt er! Viele Menschen standen richtig, so lange sie in bedrückten Verhältnissen waren oder geschlagen wurden. Wenn es ihnen aber anfing gut zu gehen, wenn sie immer reicher wurden, wurden sie immer hochmütiger und wurden dabei immer niederträchtiger. Dasselbe gilt auch für den geistigen Segen, wenn wir immer weiser werden. Sehen wir nicht, dass wir durch immer größere Weisheit auch fallen können? Werden nicht viele durch die Weisheit hochmütig, weil sie klüger sind als die andern?

"segnen

und behüten"

Paulus

Der Mensch, der in der größten Gefahr stand, hochmütig zu werden, war Paulus. Dieser Mann besaß die höchste Weisheit, die ein Mensch überhaupt besitzen konnte. Er erhielt Offenbarungen direkt aus Himmelshöhen, die die anderen Apostel wie Petrus nicht gehabt haben. Paulus konnte aus voller Überzeugung und mit absoluter Berechtigung zu Petrus und zu Johannes sagen: Mit euch kann ich nicht diskutieren, denn ich weiß Sachen, die euch verschlossen sind; das und das hat der Herr mir persönlich geoffenbart. Die größte Mission im Apostelkreise hatte Paulus. Er war zum Führer einer neuen Haushaltslinie berufen worden. Mit ihm begann ein neues Kapitel der Heilsgeschichte. Und das wurde vor ihm noch keinem Menschen offenbart. Die andern Apostel hatten aus dem Mund Jesu gehört: 'Geht nicht auf der Heiden Straße, sondern bleibt bei den Schafen Israels'. Und: 'Eher wird die Welt untergehen als ein Tüpfelchen vom Gesetz'. Und sie sagten zu Paulus: 'Du gehst zu den Heiden, was wir gar nicht tun dürfen, und dann hebst du das Gesetz auf.' In gewisser Hinsicht können wir die Judenchristen verstehen, die sich gegen Paulus empört haben, die ihm überall nachgefahren sind und gesagt haben: 'Nehmt euch in Acht vor diesem Irrlehrer'. Und es hat lange gedauert, bis den Judenchristen ein Licht aufgegangen ist, bis sie begreifen konnten, dass die Gnade Gottes von Israel übergehen kann auf die sogenannten Gojim, auf die Heiden, dass Er sich dort eine Gemeinde sammelt. Wir wissen von einer Auseinandersetzung in jener Gemeinde, wo sich Petrus zu den Juden an einen sogenannten koscheren Tisch gesetzt hat, und Paulus aufstand und zu Petrus sagte: 'Du Heuchler, was machst du hier?' Das können wir nicht begreifen, wenn wir nicht wissen, dass dieser Paulus ein Geheimnis trug, das vor ihm keiner begriffen hat. Er sagte: Ich streite mit euch nicht, denn ich darf mich nicht mit Fleisch und Blut beraten: 'Ich und der Herr'. Das ist ein großes Wort, aber es ist auch gefährlich, wenn ein Mensch so weit ist, dass er sagt: 'ich anerkenne keinen Lehrer, denn ich habe die direkte Offenbarung von Gott'. Paulus war schließlich auch nur ein Mensch. Welcher Mensch kann eine solche Stellung ertragen, ohne hochmütig zu werden? Hier liegt eine große Gefahr. Darum hat Gott gesagt: 'Paulus, ich hab' dich zu lieb, als dass ich dich in diese Gefahr fallen lasse'.

Paulus

Paulus war in ganz jungen Jahren bereits Generalstaatsanwalt bei den Juden. Als Jüngling wurde er nach Damaskus geschickt, um die Judenchristen zu verhaften. Und das jüdische Volk hat auf Paulus große Hoffnungen gesetzt, denn er war der einzige Jude unter den Führern, der römischer Staatsbürger war. Bei den Römern galt er mehr als der Hohepriester, denn der Hohepriester war Jude. Paulus war zwar auch Jude, aber der Staatsangehörigkeit nach war er Römer. Und als er einmal verhaftet wurde und dem römischen Hauptmann gesagt hat 'ich bin Römer', da erschrak dieser und fragte ihn: Wie hast du das erreicht? Ich bin nicht als Römer geboren, aber ich habe mir durch eine Unsumme die Staatsangehörigkeit erkauft. Und Paulus erwidert: Du hast es durch Geld erkauft; ich aber bin auf römischem Boden geboren, infolgedessen bin ich römischer Staatsangehöriger. Man überlege sich, was sich in diesem Paulus alles abgespielt hat. Wie klug und wie mächtig er war und von allen Seiten umhegt. Und zu all dieser Größe und Macht kommt dann das geistige Wachstum. Er fühlte ganz stark und klar, dass er von einer Sphäre in die andere hineinwuchs. Jesus selbst kam zu ihm. Aber Jesus sagte zu ihm: 'Du bist in der Gefahr, hochmütig zu werden'. Er selber sagte ja von sich: "Ich bin ein Pharisäer und eines Pharisäers Sohn" - und das war die stolzeste Gemeinschaft, die es damals bei den Juden gab. Wenn einer schon zu diesem Hochmut erzogen wird, in welcher Gefahr steht er! Was wäre denn aus Paulus geworden, nachdem er durch diese Offenbarungen gemerkt hat, dass er über Petrus steht und über Johannes - was wäre aus ihm geworden mit seinen pharisäischen Neigungen, mit seinem Hochmut? Ein Papst wäre aus ihm geworden, der keinen Widerspruch geduldet hätte. Und bei dem Temperament, das Paulus gehabt hat, befand er sich in großer Gefahr.

von der Gefahr des Segens

Was tut nun Gott, damit er eben nicht in diese Gefahr kommt? Da tut Gott etwas, was uns gerade vom biblisch-christlichen Standpunkt vollkommen unbegreiflich ist: Gott gibt Seinen größten Apostel in die Hand Satans. Da wird uns ein Schicksalsgesetz offenbart, das die Frommen in der Regel nicht begreifen. Aber Tatsache ist, dass Paulus sagt, ich bin schwer krank - er drückt es mit andern Worten aus - 'ich werde täglich geschlagen mit den Fäusten eines Engels des Satans'. Wie kommt dieser Paulus in die Hand vom Teufel? - Wie kommen plötzlich die Russen, die Phosphorbomben usw.? Sagen wir nur nicht: 'Da sind die Feinde schuld'. Feinde hin, Feinde her - die Russen können nicht hierher kommen wenn Gott es nicht will; und die Phosphorbomben können nicht fallen, wenn Gott es nicht will. Und wie ich heute erzählte von den Frauen in Stuttgart, die voller Angst auf die Straße blickten, wo die französischen Soldaten herumliefen: kein Franzose kann sich rühren, wenn Gott es nicht will. Hinter all dem steckt Gott. Und wenn einer von uns so schwer geschlagen und geplagt wird wie Paulus - und der ist mehr geplagt worden als alle miteinander - sagen wir nicht, das ist dran schuld und jenes ist dran schuld. Schuld? Gehen wir zum lieben Gott und fragen wir Ihn: 'Herr, warum?' Nur Ihn dürfen wir fragen, und Er wird schon die Antwort geben! Paulus hat Ihn gefragt, aber Gott hat ihn mit der Antwort warten lassen. Paulus fragt: 'Herr, warum muss ich so krank sein, warum muss ich dieses furchtbare Leid tragen?' Bis er die Antwort bekommt: "Lass dir an meiner Gnade genügen". Diese Antwort ist doch gar keine Antwort - es ist eine falsche Übersetzung; es muss heißen: "Lass dir an dieser meiner Gnade genügen". Dieser Teufel, der dich schlägt, das ist ein Gnadenakt von mir. Und da geht diesem Paulus ein Licht auf, und er begreift "auf dass ich mich nicht der hohen Offenbarungen überhebe". Er konnte von keinem mehr geschlagen werden, weil er zu mächtig war. Da hat Gott ihn eben aus dem Jenseits schlagen lassen, durch Krankheiten; Er hat erreicht, dass Paulus zum Schluss gesagt hat 'ich bin nur dann mächtig, wenn ich schwach bin' - 'nicht ich, sondern der Herr in mir'. Es war keine andere Möglichkeit, um den Teufel in Paulus zu vernichten; er musste die Fäuste des Teufels von außen fühlen, bis er die Lektion gelernt hat, und es wurde erreicht. Das heißt: "Herr segne uns und behüte uns".

was Gott tut, um Paulus zu behüten

Wir können als Gemeinde so gesegnet werden, dass wir hochmütig werden und nicht mehr die Grenzen kennen, die uns gesetzt sind, und dann mit Schimpf und Schande untergehen. Wir können durch unseren Reichtum in Teufels Küche geraten, so dass die Berufung von uns genommen werden kann. Die Gnade können wir nicht verlieren, aber den Frieden können wir verlieren. Darum müssen wir behütet werden im Segen. Wehe uns, wenn wir aus der Abhängigkeit herausfallen und von dem, was wir sind und haben, sagen: 'es ist unser', 'wir haben's geschafft, so tüchtig waren wir'. Und am allerschlimmsten ist es, wenn wir sagen: 'so gläubig waren wir, so heilig und so fromm sind wir, dass der liebe Gott uns einfach segnen muss'. Gewiss, Gott kann uns auch Häuser schenken, aber nur als Prüfung. Das sind nicht unsere Häuser, sondern das sind Häuser Seines Reiches. So sehen wir, dass wir jeden Tag in einer ungeheuren Gefahr stehen. Und die Gefahr ist umso größer, je größer wir selber sind.

im Segen behütet

Mose

Wir sprachen schon davon, wie der größte aller Menschen nach Christus, Mose, durch ein einziges Wort sozusagen seiner Karriere ein Ende setzte. Gott sagt zu ihm, als das Volk rebellisch war: "Sprich zu dem Felsen, und er wird Wasser geben". Mose hatte sich aber furchtbar aufgeregt, und in dieser Aufregung spricht er nicht zum Felsen, sondern er schlägt ihn und schreit hinaus zum Volk: 'Ihr wollt Wasser? Wir geben euch jetzt Wasser!' Der Fels gab Wasser, aber die Stimme Gottes ertönte und sagte zu Mose: 'Warum hast du mich nicht verherrlicht vor dem Volk? Warum hast du nicht gesagt: 'Gott gibt euch in Seiner Gnade aus diesem Stein Wasser'. Warum hast du gesagt 'wir', 'ich und Aaron'? Weil du das getan hast: Geh auf den Berg Nebo und schau von der Ferne das verheißene Land, nach dem du dich gesehnt hast - und dann stirb auf dem Berge Nebo'. Da kann man sich fragen: War denn das, was Mose getan hat, so schwer, dass er die Todesstrafe dafür bekommt? Wie treu hat er gedient! Gott selber sagt ja wiederholt von ihm: 'Mein treuer Knecht'. Was hat er denn schließlich getan? Sein ganzes Leben hat er nur für das Land Israel gekämpft, hat das Volk durch die Wüste geführt. Seine größte Sehnsucht war, dass er das Volk hineinführt. Und die schlimmste Strafe für ihn war, dass er vor dem Land sterben musste. Er war der gewaltige Prophet, aber doch nur ein Mensch. Die Sehnsucht Moses war ja das Land. Jetzt stand er vor dem Land; es betreten und dort sterben, das wäre die Erfüllung seiner Sehnsucht gewesen. 'Nein, du darfst es nicht betreten!' Warum? Nur wegen des einen Wortes? Auch hier sehen wir ein Schicksalsgesetz: Was XY von der Straße redet ist nicht viel wert, weder so noch so. Aber wenn wir höher steigen, da sagt der Herr zu uns: für jedes Wort wirst du einmal Rechenschaft ablegen! Für jedes! Und je höher wir steigen - und Mose stieg am höchsten - umso mehr wird von uns verlangt. Mose war sehr gesegnet und sehr behütet; nur in diesem einen Augenblick war er irgendwie nicht behütet, da brach sein Temperament durch. Aber es ist merkwürdig wodurch er bis dahin behütet wurde vor solchen Worten, die er hier ausgesprochen hat: durch eine Krankheit, die Gott ihm gegeben hat, er hat nämlich gestottert. Als er die Berufung bekam, dass er hingehen soll zum König und das Volk rausholen, sagt er doch zu Gott: 'Ich will nicht, denn ich bin doch ein Mann von einer schweren Zunge'. Gott sagt: Gut, ich schenke dir deinen Bruder Aaron, der kann ja gut reden. Du stottere ihm etwas ins Ohr und der wird’s schon dem König weitersagen. Da fragt man sich auch wieder wie bei Paulus: Warum musste er so krank sein? Wieso kann ein Prophet nicht geheilt werden vom Stottern? Gott sagt doch: 'in Meiner Hand liegt es, wem ich eine Zunge gebe und wem nicht'. Warum gibt er sie nicht dem Mose? Warum? Weil Mose als Mensch so groß gewesen ist, dass er, wenn er eine glatte Zunge gehabt hätte, vielleicht manches Unheil angerichtet hätte. Und so ist es auch bei uns: wenn wir an dem und jenem gehindert werden - wir wissen nicht warum, weil wir törichte Menschen sind; aber Gottes Weisheit weiß es. Und wir werden es auch wissen, wenn wir einmal vor Gottes Thron stehen. So musste eben ein Mose behütet werden - gesegnet und behütet. So musste ein Paulus gesegnet werden über alle Maßen, aber auch behütet - behütet durch diesen Segen von unten, durch das Leid. Und so müssen auch wir gesegnet sein und behütet. Und darum wollen wir beten, dass Gott uns eben diesen Segen gibt, nicht nur den Segen von oben, sondern auch den Segen von unten. Wir wollen uns von keinem einreden lassen, dass Krankheiten und anderes Leid nur Strafen sind. Es sind nicht nur Strafen; es können Strafen sein, aber in der Regel sind sie Bewahrungsgnade Gottes. Gott will nicht, dass wir im Geiste untergehen. Und darum haben wir die Bewahrungsgnade. Und um diese Bewahrungsgnade bitten wir mit den Worten "Segne uns und behüte uns".

Das Beispiel des Mose

Heute früh ist mir wichtig geworden über die Engel, die uns beistehen in schwerer Zeit. Und weil ich diese schwere Zeit wieder kommen sehe, möchte ich, dass diese Vorstellungen in unserem Herzen mehr Gestalt gewinnen, die Vorstellung von der Bewahrung durch Engel. Ich habe daran erinnert, wie wir bewahrt worden sind im Bombenregen, wie wir bewahrt worden sind als Soldaten in Russland und in Nordafrika, wo auf der einen Seite diese wahnsinnige Kälte und auf der anderen Seite diese wahnsinnige Hitze war. Und dann die Bomben. Das alles kommt jetzt wieder. Wir müssen klare Vorstellungen haben, wer uns dann schützen wird. Und darum ist es gut, wenn solche Bilder immer wieder vor unseren Augen stehen, wo Engel eben unsere Feinde beherrschen können und wo die Feinde nur so handeln können, wie es der Engel will. Wir haben in der Bibel einen Kriegsbericht: der Krieg der Ägypter gegen Israel. Da wird beschrieben, was alles geschehen ist. Mir ist das Wort aufgefallen, wo es heißt: 'Und der Herr löste von den Kriegswagen der Ägypter die Räder'. Ein merkwürdiger Kriegsbericht. In einer Armee hat man immer große Sorge vor sogenannter Sabotage. Es war früher oft der Fall, dass irgend ein Spion ins feindliche Lager hineingekrochen ist, und dort Unheil angestiftet hat, an den Kanonen, an den Flugzeugen und was er gerade erwischt hat. Da hatte man Saboteure, die glänzend ausgebildet waren. Wir brauchen keine Saboteure. Wir können beschützt werden von diesen Engeln, die von den Kriegswagen der Ägypter die Räder lösten. Und wenn da einer mit einer Atombombe geflogen kommt und will die irgendwo abwerfen - es kann dafür gesorgt werden, dass keine von diesen Atombomben abfällt. Der Pilot braucht nur einen Herzschlag zu bekommen. Es gibt tausend Möglichkeiten, um unsere Feinde zur Ruhe zu bringen. Wir brauchen nicht zur Polizei zu laufen um sie zu holen; ein Engel besorgt das. 'Aber dürfen wir denn so viel an Engel glauben?' Ich sage, wir sollten viel mehr an die Engel glauben. Es gibt genug Narren, die sagen: 'Nur nicht so viel von Engeln reden, wir müssen einfach glauben'. Woran sollen wir denn glauben? Der Glaube muss doch schließlich konkret sein. Wir müssen eine ganz klare Vorstellung vom Glauben haben. Wenn du betest, bete doch nicht in die Luft hinein! Ja, wie soll man beten? Bete zum Herrn Jesus, aber du musst Ihn sehen! 'Du sagst, 'den kann ich doch gar nicht sehen'. Das ist deine Schuld. Der Herr Jesus ist heute genauso hier, wie Er vor 2000 Jahren dagewesen ist. Wenn Petrus oder Johannes etwas von Ihm haben wollten, dann gingen sie zu Ihm hin und sagten: Herr, wir wollen das und das haben, und Er hat ihnen geantwortet. Und wir fangen an zu beten und überlegen uns vorher, was wir sagen wollen und predigen dann den lieben Gott an und erklären Ihm noch die Bibel - als ob Er nicht wüsste, was Er geschrieben hat. Das ist alles närrisch. Beten heißt, erst einmal stille werden, bis Christus vor uns steht. Wir können Ihn mit diesen Augen nicht sehen, aber mit dem inneren Auge können wir Ihn sehen. Wir müssen zum Herrn Jesus so reden, wie Petrus damals zu Ihm geredet hat. Wir dürfen Ihm sogar Dummheiten sagen, so wie Petrus manchmal Dummheiten gesagt hat. Er hat Verständnis für uns. Er will dieses lebendige Bewusstsein von Seiner Gegenwart, diese lebendige Verbindung haben. Nicht einfach darauf losplappern wie die Heiden. Er steht vor uns, man spricht mit Ihm. Und das muss geübt werden. Der Glaube muss auch geübt werden. so wie man das Geigenspiel übt: Immer wieder dieses konzentrieren im Gebet bis wir genau wissen, wir haben mit dem Herrn gesprochen und Er hat uns geantwortet. Beim Herrn gibt’s nur dieses ganz langsame Hineinsenken in den Geist. Und wenn man das tut - aber es gehört eine große Gnade dazu - dann kommt der Augenblick, wo man den Herrn einfach innerlich fühlt, wo man sich Seiner Gegenwart bewusst wird. Und dann spürt man auch die Engelwelt, die es gibt, die eben von Gott ist. Wir reden hier nur von jenen Engeln, die Gott uns sendet zu unserem Schutz. Wie können wir mit ihnen Bekanntschaft machen und mit ihnen Verbindung aufnehmen? Nur durch die Bibel! Das ist das große Lehrbuch des Glaubens und des Lebens. Dort wird alles erzählt erklärt, was irgendwie für uns wissenswert ist. Und es liegt in unserer Hand, ob dieser tote Buchstabe zum Leben erwacht. Das geschieht dadurch, dass wir diesen Buchstaben immer wieder langsam lesen, nur nicht darüber hinweg lesen, wie es in vielen naiven Kreisen geschieht: 'Ja, wir müssen jeden Tag ein Kapitel aus der Bibel lesen' - und da plappern sie das herunter wie die Katholiken das Vater-Unser und denken, sie haben gebetet, sie haben die Bibel gelesen. Man liest die Bibel nicht auf Kommando, wir sollen das Wort hin und her bewegen so wie es heißt: "Maria bewegte die Worte des Engels in ihrem Herzen". Nicht darüber weglesen, sondern bewegen, meditieren bis es lebendig wird, bis wir die ganzen Umstände sehen; und da wachsen wir plötzlich in die Bibel hinein, in den biblischen Geist. Besser gesagt: die Bibel wächst in uns hinein. Und wir hören dann Worte der Bibel in uns gesprochen. Ja, wer spricht denn das? Der Heilige Geist, der Geist der Bibel. Wenn wir dann beten, beten wir ganz anders. Da betteln wir nicht um dummes Zeug wie heute, sondern da merken wir, um was wir zu beten haben, und wir merken, dass nicht wir beten, sondern der Gebetsgeist in uns. Er soll beten, nicht wir mit unserm törichten Verstand. Und er vertritt uns, sagt Paulus; manchmal nur mit einem Seufzer; aber dieser Seufzer ist eine ungeheure geistige innere Kraft. Man spürt, dass irgend etwas vorgegangen ist, ein Durchbruch in der geistigen Welt. Aber da müssen wir uns eine Vorstellung machen von der geistigen Welt, und leider wird das überhaupt gar nicht gepflegt. In welcher Kirche oder Gemeinschaft spricht man darüber?

Gott braucht Engel um uns zu behüten

Wo sind nun die großen Lehrmeister? Welche Berichte der Bibel sollen wir betrachten? Z.B. die Geschichte von Petrus, wie er im Gefängnis sitzt. Plötzlich wird er geweckt. Ein Engel sagt ihm genau, was er anzuziehen hat; er sagt: nimm deine Sandalen, nimm deinen Mantel und komm mit. Petrus merkt überhaupt nicht was los ist. Erst später erkennt er, dass er durch eiserne Tore und durch Mauern hindurchgegangen ist. Am andern Tag gibt’s im Gefängnis einen großen Skandal, und die Wächter werden auf Befehl von Herodes zur Hinrichtung geführt. 'Was war denn da eigentlich los? Das kann man doch nicht für möglich halten!', hören wir sagen. Ja, warum denn nicht? Das hat doch nicht Petrus gemacht - er hätte das nie machen können; aber ein Engel hat es gemacht. Es wird ausdrücklich gesagt, ein Engel war's. Die Engel haben doch die Substanz in ihrer Hand; sie können materialisieren und können dematerialisieren. Wenn sie wollen, nehmen sie den Philippus von Jerusalem weg und setzen ihn in Gaza wieder ab. Menschen können das natürlich nicht tun. Aber die Bibel sagt ausdrücklich, das haben die Engel mit den Menschen gemacht. Dieser Engel hat einfach die Schlösser des Gefängnisses dematerialisiert und nachher wieder zusammengefügt - das ist für ihn nur eine Sache von einer Sekunde. Für uns ist es eine Wissenschaft, die wir niemals erlernen - ein Engel besitzt die Substanz. Genauso wie Christus ein Brot nimmt und 5000 Brote daraus macht. Christus war, was wir nennen 'allmächtig', und allmächtig sein heißt hier, die Substanz zu besitzen. Und was heute die Erfinder machen, die sogenannten Wunder; die kennen einfach gewisse Naturgesetze der Substanz, die uns unbegreiflich sind. Augustin sagt: "Die Wunder geschehen nicht im Widerspruch mit der Natur, sondern nur im Widerspruch mit dem, was uns von der Natur bekannt ist." Ein Edison in Amerika, der Erfinder vom Photographenkasten und anderer Dinge: wie war das möglich? Ihm wurde die Substanz offenbart. Wir können keinem erklären, wie ein Edison diese Erfindungen gemacht hat oder wie ein Graf Zeppelin seine Erfindungen gemacht hat. Ihnen werden Naturgesetze offenbart, die wir nicht begreifen können. Heute ist das alles selbstverständlich: ein Flugzeug, ein Radio oder ein Tonbandgerät. Wenn ich jetzt auf mein Zimmer gehe, kann ich noch einmal meine ganze Rede hören;. Das ist alles selbstverständlich. Selbstverständlich? Es gehört zu den größten Wundern, dass man Töne aus der Luft empfängt! Und wenn wir das alles kennen, dann wundern wir uns doch nicht über die Bibel! Über die Bibel kann sich nur ein Narr wundern und sagen, das stimmt nicht. Nur ein Narr kann sagen: 'den Graf Zeppelin hat es nie gegeben, den Edison hat es nie gegeben'. Wir sehen doch die Beweise ihrer Erfindungen.

Das Beispiel des Apostels Petrus

Und so gibt es eben eine Geisterwelt; es gibt diese Inspirationsquellen da drüben; und die führen uns von Schritt zu Schritt. Dann ist es ganz klar, dass Jesus diese Wunder vollbringen konnte. Er hat die Naturgesetze beherrscht, was wir nicht können. Aber Jesus sagte doch, 'ihr sollt ja mehr tun als ich getan habe'. Wir müssen hineinwachsen in diese geistige Welt, hineinwachsen in den Heiligen Geist - ohne Sensationsgier, denn da macht der Heilige Geist nicht mit; da lässt er sich nicht einspannen. Wenn einer sich demütig beugt, wenn einer nichts anderes will als selbstlos der Menschheit zu dienen, bekommt er die Fülle der Wunderkräfte. Aber wer sie dann hat und wirklich selbstlos dient, macht keine Reklame mit seinen Gaben. Der wird sehr still - und sehr einsam.

Oder die Geschichte von Elisa. Der König von Syrien hatte vor, ihn zu verhaften. Er schickt eine Armee und diese umzingelt das Haus des Elisa. Wie sein Diener Gehasi diese Armee sieht, schreit er: 'O Herr, jetzt geht's uns schlecht'. Elisa ist ganz ruhig; er sagt: 'du Narr, auf unserer Seite sind doch mehr als auf den anderen Seite'. Und als er immer noch schreit, sagt Elisa: "Herr öffne ihm doch die Augen, damit er sehe" Und da sieht er, dass um das Haus des Elisa unzählige feurige Reiter stehen. Jetzt hat er gejubelt und hat gesagt: Mein Herr Elisa, der weiß gut Bescheid. Jetzt war er wieder gläubig, vorher nicht. Aber sind nicht wir selber alle dieser Typ des Gehasi? Schreien wir nicht auch? Und dann ging Elisa hinaus zum Armeekommandanten und sagte: Was willst du eigentlich? Der war ja gekommen, um ihn zu verhaften. Wer weiß, was er erzählt hat. Da sagte Elisa zu ihm: du bist nicht an der richtigen Stelle; ich will dich an die richtige Stelle schicken. Folge mir! Und dieser Kommandant mit seiner ganzen Armee marschiert hinter Elisa her, und der führte ihn direkt ins Gefangenenlager nach Samaria hinein. Ist das nun wahr oder ist es nicht wahr? Liebe Freunde, entweder ist die Bibel volle Wahrheit oder überhaupt ein Märchenbuch, für das wir keine Zeit mehr haben. Also ich glaube daran; und wir wollen Gott danken, dass wir ein solches Buch haben und wollen uns bemühen, es zu lesen, aber mit Weisheit zu lesen, und alles als lebendiges Zeugnis des lebendigen Gottes betrachten.

Das Beispiel des Propheten Elisa

Und damit, liebe Freunde, hätte ich geschlossen. Aber heute liegt mir etwas besonderes am Herzen, was an sich mit der Bibel wenig zu tun hat. Ihr wisst, dass ich mich nicht nur für die Bibel interessiere, sondern auch für die Literatur. Und heute ist der 50. Todestag von Leo Tolstoi. Er ist am 20. November 1910 in Russland gestorben. Er war der größte russische Dichter. Für mich war er mehr als ein Dichter, er war für mich ein Prophet. Acht Tage vorher, am 31. Oktober, war der Todestag von einem anderen großen Menschen, von Henry Dunant, dem Schöpfer des Roten Kreuzes. Er zur gleichen Zeit mit Tolstoi gestorben ist. Und dann war im Mai dieses Jahres noch ein anderer Gedenktag: der Geburtstag von Theodor Herzl, dem Schöpfer des Zionismus. Ich wollte über alle diese drei schreiben, aber durch meine Krankheit ist mir die Feder aus der Hand genommen worden; ich habe nicht geschrieben. Aber ich möchte heute doch einige Worte sagen. Diese drei Menschen sind für mich von Gott gesandte Propheten. Nun gibt es fromme Leute, die sagen: Ach, die haben nichts gesprochen vom Heiligen Geist usw., die wurden nicht vom Heiligen Geist berufen. Ich kann diesen Menschen nur sagen: Schweigt, denn ihr habt keine Ahnung, was ein Prophet ist, wer ein Prophet ist und wie Gott die Menschen beruft. Gott beruft Seine Boten immer entsprechend der Zeit. So wie sich die Mode äußerlich geändert hat, so auch die äußeren Umstände bei diesen Menschen. Wir müssen feststellen, wenn wir einen Propheten sehen, hat er einen großen Willen Gottes auszuführen. Wer den Willen Gottes ausführt, ist ein Prophet, ob er es weiß oder nicht. Es kommt nicht darauf an ob er es weiß, sondern ob es Gott weiß.

Drei Gedenktage moderner Propheten:

Tolstoi,

Dunant,

Herzl

Und dieser Theodor Herzl, dessen 100. Geburtstag jetzt gefeiert wurde, war der Prophet Israels. Früher kamen die Propheten, wie sie in der Bibel beschrieben sind. Theodor Herzl kam im Frack und Zylinder. Er wurde von Gott berufen, die zionistische Idee politisch in die Welt zu setzen. Und aus dieser zionistischen Idee entwickelte sich der Staat Israel. Und aus diesem Staat Israel wird sich nach der Wiederkehr Christi das Reich Israel entwickeln. Aber der erste, der diesen Gedanken in Israel propagiert hat, war Theodor Herzl. Er selber hat keine Ahnung gehabt, wie groß seine Aufgabe war. Und es war gut, denn dadurch war er nicht in der Gefahr, sich zu überheben. Er war nach seinem Beruf ein Redakteur, ein Journalist in Wien. Er hat sich nie als Prophet betrachtet. Aber heute, nachdem er schon 50 Jahre tot ist, wissen wir, dass er nicht nur ein Journalist gewesen ist. Gott hat diesen Menschen berufen, um eben die zionistische Idee und damit die Reichsidee in unsere Zeit hinein zu tragen.

1. Herzl

Dasselbe mit Dunant. Dunant war ein Kaufmann. Aber Gott hat ihn dann benutzt, um dem Satanismus unserer Tage, dem Krieg, den fürchterlichsten Schlag zu versetzen. Dieser Dunant war nicht berufen, die Kriege abzuschaffen, das ist für Christus selbst vorbehalten. Wenn Er kommt, gibt’s keine Kriege mehr. Bis dahin gibt es Kriege. Aber eins hat Dunant getan, er hat das Rote Kreuz geschaffen; und er hat der Welt bewiesen, was möglich ist, dass Frieden herrscht im Krieg. Und damit hat er den Krieg besiegt. Während auf der einen Seite die Menschen wie die Wilden aufeinander losgehen, nur um sich abzuschlachten, hat er jene auserwählte Schar geschaffen, die mit der Roten Kreuz Binde inmitten des Feuers steht, keinen Menschen tötet, aber unzählige rettet. Ist das nicht ein Prophet? Er war ein Prophet!

2. Dunant

Und dann eben Leo Tolstoi. Er ist in dem dunkelsten Staat der Welt aufgewachsen, im zaristischen Russland, wo die Kirche und die Gesellschaft bis zum Äußersten zerrüttet war, wo man das Christentum geschändet hat wie in keinem anderen Land. Dafür kam dann auch die Strafe im Bolschewismus; das ist auch eine Folge davon, wie man früher in Russland gearbeitet hat und gelebt hat. Da stand dieser Mann auf, ein kaiserlicher Gardeoffizier, ein Graf. Er hat alles hingelegt, was er besaß und hat das reine Evangelium gepredigt. Man hat nicht gewagt, ihn anzugreifen. Der Kaiser wollte ihn wiederholt nach Sibirien schicken. Aber von diesem Mann ging eine solche geistige Macht aus, dass man ihn nicht angreifen konnte, bis er dann gestorben ist im Alter von 85 Jahren - sehr tragisch - er hat das Haus verlassen. Auch er wurde geschlagen wie alle großen Menschen, wie alle Propheten geschlagen worden sind. Er hat die Tragödie in seiner Ehe gehabt, in seiner Familie, wo man ihn nicht verstanden hat. Er war zu groß. Er hat eine sehr gute Frau gehabt, die gütig war bis zum Äußersten. Aber so groß wie Leo Tolstoi konnte sie nicht sein. Sie hat ihn nicht begriffen. Und als er gesagt hat, er muss sein Eigentum verlassen, er will arm leben, das konnte die Gräfin Tolstoi nicht ertragen. Auf einer Eisenbahnstation in der Nähe von Moskau ereilte ihn der Tod. Aber er ist nicht gestorben. Heute noch spricht man von ihm. Und alle diese Gestalten, die wir jetzt erwähnt haben, wir werden sie einmal wiedersehen in einer bessern Welt, im Reich.

3. Tolstoi


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